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Sep 21

Der GmbH-Geschäftsführer – Rechte und Pflichten

Rechte und Pflichten   eines GmbH-Geschäftsführers

Aufgrund seiner Stellung in der Gesellschaft hat der GmbH-Geschäftsführer umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten und auch Pflichten im Handels, GmbH- und Steuerrecht.
Ein Überblick.

Inhalt

  1. Allgemeines
  2. Der Geschäftsführer als Organ der GmbH
  3. Rechte und Pflichten des GmbH-Geschäftsführers

    3.1     Geschäftsführungsbefugnis in der Gesellschaft
    3.2     Vertretungsmacht im Außenverhältnis

  4. Der Geschäftsführer als Angestellter der GmbH
  5.  Verantwortlichkeit des GmbH-Geschäftsführers
  6. Haftung des GmbH-Geschäftsführers

    6.1     Haftung gegenüber der Gesellschaft
    6.2     Haftung gegenüber den Gesellschaftern
    6.3       Haftung gegenüber Geschäftspartnern
    6.3.1    Haftung vor Eintragung der GmbH
    6.3.2    Haftung aus Rechtsscheinsgrundsätzen
    6.3.3    Haftung aufgrund besonderen Vertrauens
    6.3.4    Haftung wegen unerlaubter Handlung
    6.4       Haftung aufgrund von Spezialvorschriften
    6.4.1    Haftung gegenüber dem Fiskus
    6.4.2    Haftung für Lohnsteuer-Schulden
    6.4.3    Haftung für Umsatzsteuer-Schulden
    6.4.4    Haftung für andere Steuern
    6.4.5    Haftung gegenüber den Sozialversicherungsträgern

1      Allgemeines

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist die in Deutschland gebräuchlichste Form der Kapitalgesellschaft von der Einmann-Gesellschaft bis hin zu großen Konzernen. Als juristische Person betätigt sie sich nach außen durch zwei Organe:

  • die Gesellschafterversammlung, die den Willen der Gesellschaft bildet,
  • und den Geschäftsführer, der diesen Willen ausführt.

Der GmbH-Geschäftsführer wird in einer Doppelstellung tätig:

  • Er ist einerseits Organ der Gesellschaft, das die Gesellschaft nach außen wie nach innen vertritt,
  • andererseits aber auch Angestellter der Gesellschaft.

Diese Macht- und Aufgabenstellung gewährt dem Geschäftsführer erhebliche Rechte, aber auch Pflichten. Da die GmbH nur beschränkt haftet, ist ihr Geschäftsführer einem nicht unerheblichen persönlichen Haftungsrisiko ausgesetzt, dessen vollständige Darstellung den Rahmen eines Merkblatts sprengen würde. Bei außergewöhnlichen Geschäftsvorfällen oder in Krisenzeiten sollten Sie sich deshalb unbedingt fachlichen Rat einholen, um sich vor einer persönlichen Haftungsinanspruchnahme zu schützen.

2      Der Geschäftsführer als Organ der GmbH

Die GmbH als solche kann nicht für ihr Tun und Unterlassen einstehen, weshalb sie mindestens einen Geschäftsführer haben muss. Dieser wird bereits tätig, bevor die GmbH durch die Handelsregistereintragung zivilrechtlich zu existieren beginnt. Er – persönlich – muss die GmbH nämlich anmelden!

Die Bestellung des Geschäftsführers erfolgt bei einer Neugründung durch den Gesellschaftsvertrag (auch Satzung genannt). Bei entsprechenden Regelungen in der Satzung können auch andere Organe (Aufsichtsrat, Beirat) sowie bestimmte Personen oder Behörden den Geschäftsführer bestellen. Eine Bestellung von Amts wegen durch das Amtsgericht kommt in Betracht, wenn die Gesellschaft überhaupt keinen Geschäftsführer hat (durch Tod oder unwirksame Bestellung), der Geschäftsführer verhindert ist (durch Krankheit oder Verbot des Selbstkontrahierens) oder die Gesellschaft nicht die durch Gesetz oder Satzung vorgeschriebene Zahl von Geschäftsführern hat (sog. Notgeschäftsführer).

Nur vollgeschäftsfähige natürliche Personen können zum Geschäftsführer bestellt werden. Staatsangehörigkeit, Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt spielen keine Rolle, solange Sie nur tatsächlich in der Lage sind, die Interessen der Gesellschaft mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns auszuüben.

Für die GmbH bestimmter Berufsgruppen (z.B. von Freiberuflern wie Ärzten, Rechtsanwälten) können besondere Qualifikationen erforderlich sein, wie auch die Satzung Vorgaben zur Person des Geschäftsführers beinhalten kann (z.B. bestimmte Familienmitglieder oder einen besonderen Studienabschluss).

3      Rechte und Pflichten des GmbH-Geschäftsführers

3.1     Geschäftsführungsbefugnis in der Gesellschaft

Im Innenverhältnis zur Gesellschaft obliegt Ihnen als Geschäftsführer die Geschäftsführungsbefugnis, d.h. die gesamte kaufmännische und technische Geschäftsleitung im Rahmen des Unternehmensgegenstands. Sie ist grundsätzlich umfassend, soweit es sich um die gewöhnlichen Rechtsgeschäfte der laufenden Geschäftsführung handelt. Besonders wichtige Angelegenheiten, wie z.B. die Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern, sind den Gesellschaftern vorbehalten.

Durch Satzung, Anstellungsvertrag oder Weisungen der Gesellschafter können sich weitere Beschränkungen ergeben, so dass für jede einzelne Entscheidung die Rücksprache mit den Gesellschaftern erforderlich sein kann. Dies darf jedoch nicht so weit gehen, dass Sie gar nichts mehr allein entscheiden können.

Hinweis

Insbesondere bei Fremd- und Minderheiten-Gesellschafter-Geschäftsführern erfolgen oft Einschränkungen; z.B. für die Anschaffung, Veräußerung und Belastung von Grundbesitz, langfristige oder betragsmäßig hohe vertragliche Verpflichtungen der Gesellschaft oder bei bestimmten Personalangelegenheiten (z.B. Erteilen von Prokura, Einstellung von Familienangehörigen etc.).

Anders als bei Personengesellschaften mit ihrer grundsätzlichen Einzelgeschäftsführungsbefugnis wird bei der GmbH mit mehreren Geschäftsführern Gesamtgeschäftsführungsbefugnis unterstellt.

3.2     Vertretungsmacht im Außenverhältnis

Als Geschäftsführer sind Sie für die Vertretung der Gesellschaft nach außen verantwortlich. Gegenüber Dritten ist Ihre Vertretungsmacht inhaltlich unbeschränkt, d.h., auch bei der kleinsten GmbH ist die Bestellung eines Rolls Royce rechtlich bindend. Sie dürfen Prokuristen und Generalhandlungsbevollmächtigte be­stellen, nicht jedoch Geschäftsführer. Dafür ist die Gesellschafterversammlung zuständig.

Geschäfte mit sich selbst dürfen Sie als Geschäftsführer nur abschließen, wenn Sie vom Verbot des Selbstkontrahierens befreit sind. Dies gilt selbst bei der Einmann-GmbH, wo Gesellschafter und Geschäftsführer identisch sind. Die Befreiung kann in der Satzung erfolgen oder bei mehrgliedrigen Gesellschaften durch entsprechenden Gesellschafterbeschluss. Die generelle Befreiung muss in das Handelsregister eingetragen werden.

Bei mehreren Geschäftsführern wird – wie bei der Geschäftsführung, vgl. Punkt 3.1 – davon ausgegangen, dass sie nur gemeinschaftlich vertretungsberechtigt sind. Der Gesellschaftsvertrag regelt, ob Einzelvertretung, Gesamtvertretung von zwei Geschäftsführern oder die unechte Gesamtvertretung durch einen Geschäftsführer und einen Prokuristen gelten.

Im Innenverhältnis kann die Vertretungsmacht durch den Gesellschaftsvertrag, Beschlüsse und Weisungen der Gesellschafter, den Anstellungsvertrag oder eine Geschäftsordnung eingeschränkt werden, vgl. Punkt 3.1.

Hinweis

Die GmbH unterliegt durch Gesetz und die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze einer großen Formstrenge. Die Nichtbeachtung von Formalien kann sowohl zivil-, straf- als auch steuerrechtlich zu ungewollten Konsequenzen führen. Als Geschäftsführer dürfen Sie grundsätzlich nur im Rahmen des Gesellschaftszwecks tätig werden, d.h., wenn Sie z.B. das Geschäftsfeld erweitern, müssen Sie die Satzung entsprechend ändern lassen, selbst wenn die anderen Gesellschafter mit der Erweiterung einverstanden sind. Kommt es durch Ihr Handeln außerhalb der Satzung zu Schäden, haften Sie unter Umständen persönlich.

Die Finanzämter sind bei Betriebsprüfungen dazu übergegangen, sich als Erstes die Satzung und alle Verträge zwischen Gesellschaft und Geschäftsführer vorlegen zu lassen, um sie auf verdeckte Gewinnausschüttungen zu prüfen. Sorgen Sie unbedingt aus Beweisgründen dafür, dass außerordentliche Geschäftsvorfälle zeitnah dokumentiert werden und alle Regelungen zwischen Ihnen und der Gesellschaft samt späteren Änderungen von vornherein schriftlich fixiert werden.

4      Der Geschäftsführer als Angestellter der GmbH

Von Ihrer Organstellung als Geschäftsführer zu trennen ist Ihr Anstellungsverhältnis mit der Gesellschaft; vgl. Punkt 1. und 2. In aller Regel handelt es sich um einen Dienstvertrag. Das Organ- und das Anstellungsverhältnis sind zwei verschiedene Rechtsverhältnisse mit jeweils eigenen rechtlichen Konsequenzen. Ihre Anstellung als Geschäftsführer kann aber auch ausdrücklich an das Organverhältnis gekoppelt werden, d.h., Ihre Abberufung als Geschäftsführer bedeutet dann auch die Kündigung Ihres Anstellungsverhältnisses unter Einhaltung der gesetzlichen oder vertraglichen Kündigungsfristen.

Auf den Geschäftsführer finden wichtige arbeitsrechtliche Vorschriften keine Anwendung (wie z.B. allgemeiner Kündigungsschutz, Arbeitszeitregelungen, Vorschriften des Betriebsverfassungsgesetzes, Zuständigkeit der Arbeitsgerichte). Sozialversicherungspflichtig sind Sie nur als Fremd- und Minderheitengeschäftsführer, wenn Sie weder über Ihre Kapitalbeteiligung maßgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben können (Beteiligung von unter 25  %) noch aufgrund Ihrer speziellen Sachkenntnis oder Befähigung.

Hinweis

Wenn Sie nach dem 01.01.2005 als Geschäftsführer berufen werden, erfolgt durch die Sozialversicherungsträger eine auch für das Arbeitslosengeld verbindliche Prüfung Ihres sozialversicherungsrechtlichen Status.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie auf Antrag auch als Minderheiten- und Fremdgeschäftsführer von der Sozialversicherung befreit werden. Von der Rechtsprechung sind dafür eine Vielzahl von Kriterien in einem Fragebogen entwickelt worden. Am besten füllen Sie den Fragebogen gemeinsam mit Ihrem Steuerberater aus, damit Sie keine Fehlinformationen erteilen. Bitte beachten Sie: Änderungen des Gesellschafterkreises oder Geschäftszweigs bedeuten evtl. auch eine Anpassung in der Sozialversicherung.

Das Anstellungsverhältnis sollte aus Beweisgründen immer schriftlich geregelt werden. Alle Vermögensvorteile, die Sie aufgrund Ihrer Gesellschafterstellung erhalten und die einem Vergleich mit Vertragsbedingungen für Fremdgeschäftsführer nicht standhalten, werden als verdeckte Gewinnausschüttung behandelt. Das gilt insbesondere für eine nicht angemessene Entlohnung Ihrer Geschäftsführertätigkeit.

5      Verantwortlichkeit des GmbH-Geschäftsführers

GmbH-Geschäftsführer unterliegen als treuhänderische Verwalter von fremdem Vermögen einer besonderen Verschwiegenheits- und Treuepflicht. So ist ihnen generell verboten, mit der Gesellschaft in Wettbewerb zu treten, und zwar gleichgültig, ob in eigenem oder fremdem Namen, für eigene oder fremde Rechnung.

Eine schriftliche Befreiung vom Wettbewerbsverbot ist möglich. Sind Sie beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer, muss die Befreiung in der Satzung selbst erteilt werden. Bei einer abstrakten Befreiungsmöglichkeit genügt ein Gesellschafterbeschluss. Bei Fremd- und Minderheiten-Gesellschafter-Ge­schäfts­füh­rern reicht ein entsprechender Gesellschafterbeschluss. Ein Mitgeschäftsführer kann keine Befreiung vom Wettbewerbsverbot erteilen.

Hinweis

Grundsätzlich ist ein Verzicht aufgrund des Wettbewerbsverbots mit einem finanziellen Ausgleich zu verbinden, weil Sie aufgrund der Treuepflicht Ihre volle Arbeitskraft nur für die GmbH leisten müssen. Wenn Sie bereits vor der Bestellung zum Geschäftsführer direkt oder indirekt im Geschäftsbereich der Gesellschaft konkurrierend tätig gewesen oder wenn Ihre Aktivitäten außerhalb der Gesellschaft für diese von wirtschaftlichem Vorteil sind, können Sie eine Kürzung Ihres Geschäftsführergehalts vermeiden. Klären Sie diese Frage bereits vor Bestellung mit Ihrem Steuerberater.

Sind Sie als einer von mehreren Geschäftsführern nur für bestimmte Bereiche zuständig, müssen Sie eigenständig überwachen, ob eine Insolvenzantragspflicht besteht und dass die Pflichten gegenüber Fiskus und Sozialversicherungsträgern eingehalten werden; vgl. auch Punkt 6.

6      Haftung des GmbH-Geschäftsführers

Die GmbH haftet grundsätzlich nur beschränkt mit ihrem Vermögen für Gesellschaftsschulden. Deshalb suchen Gläubiger nach Möglichkeiten, auch den Geschäftsführer persönlich in die Haftung zu nehmen. Gesetzliche Vorschriften und die Rechtsprechung schaffen zahlreiche Haftungstatbestände.

6.1     Haftung gegenüber der Gesellschaft

Als Geschäftsführer haften Sie für den gesamten entstehenden Schaden der Gesellschaft, wenn Sie

  • das Stammkapital ganz oder teilweise zurückzahlen oder
  • die Gesellschafter ihrer gesetzlichen Rückzahlungsverpflichtung nicht nachkommen oder
  • wenn Sie für die Gesellschaft Geschäftsanteile der GmbH erwerben, für die die Einlagen noch nicht vollständig geleistet wurden.

Haftbar machen Sie sich auch durch eigenmächtige verlustreiche Spekulationsgeschäfte oder wenn Sie gegen satzungsmäßige oder arbeitsvertragliche Beschränkungen verstoßen.

6.2     Haftung gegenüber den Gesellschaftern

Normalerweise haften Sie als Geschäftsführer den einzelnen Gesellschaftern gegenüber nicht unmittelbar, wohl aber bei Verletzung Ihrer gesellschaftsrechtlichen Treuepflicht, z.B. bei verbotener Rückzahlung des Stammkapitals an Mitgesellschafter. Regresspflichtig werden Sie auch bei deliktischem Handeln, z.B. wenn Sie Geld veruntreuen oder den Ruf der Gesellschaft schädigen. Ihre Haftung greift auch, wenn Sie die Gesellschafter nicht unverzüglich davon unterrichten, dass mehr als 50 % des Stammkapitals verloren sind.

6.3     Haftung gegenüber Geschäftspartnern

Schließt die GmbH mit Dritten Verträge ab, können sich die Gläubiger bei Vertragsverletzungen grundsätzlich nur aus dem Gesellschaftsvermögen befriedigen. Möglicherweise haften Sie jedoch als Geschäftsführer zusätzlich, und zwar uneingeschränkt mit Ihrem gesamten Vermögen.

6.3.1    Haftung vor Eintragung der GmbH

Die GmbH existiert zivilrechtlich erst mit der Eintragung ins Handelsregister, und erst dann greift auch die beschränkte Haftung. Zwischen der notariellen Beurkundung des Gesellschaftsvertrags und der Eintragung ins Handelsregister liegen zumindest Tage möglicherweise aber auch Wochen, wenn für den Gesellschaftszweck besondere Genehmigungen erforderlich sind (z.B. im Transportgewerbe). Werden Sie als zukünftiger Geschäftsführer schon vor der Eintragung für die GmbH tätig, gehen Sie ein persönliches Haftungsrisiko ein.

Bei Handlungen vor dem Notartermin wird nicht die GmbH verpflichtet – sie existiert rechtlich nicht –, sondern Sie allein oder Sie als mutmaßlicher Gesellschafter einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder Offenen Handelsgesellschaft.

Hinweis

Für die Zeit zwischen Beurkundung der Gesellschaft und Eintragung in das Handelsregister können Sie sich von der Gesellschafterversammlung die Erlaubnis erteilen lassen, bereits tätig zu werden. So können Sie eine persönliche Haftung ausschließen.

Empfehlung

Weisen Sie Ihre Geschäftspartner ausdrücklich darauf hin (am besten schriftlich!), dass Sie für die GmbH in Gründung tätig werden und nicht in eigenem Namen. Leistung und Gegenleistung müssen bei Vertragsabschlüssen vor Eintragung der Gesellschaft gleichwertig sein. Sie sind dafür beweispflichtig!

Zudem dürfen Sie die GmbH nicht über das Stammkapital hinaus verpflichten.

6.3.2    Haftung aus Rechtsscheinsgrundsätzen

Damit die Haftungsbeschränkung der GmbH zum Tragen kommt, muss Ihrem Geschäftspartner klar sein, mit wem er Verträge abschließt. Wenn Sie nicht deutlich genug erkennen lassen, dass Sie für die GmbH handeln, riskieren Sie eine persönliche Inanspruchnahme nach Rechtsscheinsgrundsätzen.

Hinweis

Unterschreiben Sie keine Schecks oder Wechsel nur mit Ihrem Namen ohne den GmbH-Zusatz! Denn können die Schecks/Wechsel von der GmbH nicht eingelöst werden, werden Sie persönlich zur Kasse gebeten.

6.3.3    Haftung aufgrund besonderen Vertrauens

Geschäftsführer neigen besonders in Krisenzeiten dazu, ihren eigenen guten Ruf zu nutzen, um Dritte zur weiteren Zusammenarbeit mit der GmbH zu bewegen. Äußerungen wie z.B. „Sie konnten sich doch immer auf mich verlassen.“ können zu Ihrer persönlichen Haftung führen. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie dem Geschäft wirtschaftlich sehr nahe stehen, z.B. als Geschäftsführer einer Einmann-Gesellschaft. Die Haftung setzt aber ein Verschulden voraus, d.h., Geschäftsführer müssen vorsätzlich oder zumindest grob fahrlässig vorgehen, wenn sie mit dem Vertragspartner verhandeln.

Beispiel

Haben Sie der GmbH bereits ein Darlehen geben müssen oder auf Teile Ihres Geschäftsführergehalts verzichtet, um die GmbH am Leben zu erhalten? Oder sind der Gesellschaft sogar schon die Bankkredite gekündigt worden?

Dann wird es für Sie schwierig, eine persönliche Haftung auszuschließen, wenn Sie auf das besondere Vertrauen Ihres Geschäftspartners in Ihre Person setzen. Höchstrichterlich ist sogar entschieden, dass Sie bei laufenden Geschäftsbeziehungen auf Anfrage Ihres Lieferanten verpflichtet sind, die wirtschaftliche Lage der GmbH darzustellen. Unterlassen Sie dies oder geben Sie falsche Auskünfte und fällt der Lieferant in der Insolvenz mit seinen Forderungen aus, kann er Sie schadenersatzpflichtig machen.

6.3.4    Haftung wegen unerlaubter Handlung

Sofern Sie als Geschäftsführer – unabhängig von Ihrer Organstellung für die GmbH – anderen Personen Schaden zufügen, müssen Sie selbstverständlich persönlich dafür einstehen, und zwar mit Ihrem gesamten Vermögen. Eine Haftungsbegrenzung wie für die GmbH greift hier nicht.

Hinweis

Vorsicht besonders in Krisenzeiten: Sie setzen sich dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung aus, wenn Sie binnen drei Wochen nach Eintritt der Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit der GmbH keinen Insolvenzantrag stellen.

Dann greift der gesamte Strafrechtskatalog (z.B. Bankrott, Betrug/Kreditbetrug, Untreue, Steuerhinterziehung, Verletzung der Buchführungspflichten, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Nichtabführen von Arbeitnehmeranteilen zur Sozialversicherung, falsche eidesstattliche Versicherung).

Hinweis

  • Sie können bereits dann wegen unerlaubter Handlung haftbar gemacht werden, wenn Sie für die GmbH Waren unter verlängertem Eigentumsvorbehalt erwerben, das Eigentum des Lieferanten daran untergeht (z.B. durch Vermengung, Vermischung oder Verarbeitung) und der Lieferant mit der Bezahlung ausfällt.
  • Gleiches gilt, wenn Sie Gegenstände, die nicht im Eigentum der GmbH stehen (z.B. bei Leasing oder Miete), vertragswidrig veräußern.
  • Unterschreiben Sie Anträge auf staatliche Zuschüsse, die Ihnen Ihre Buchhaltung vorbereitet hat, blindlings, riskieren Sie ebenfalls eine persönliche Haftung.
  • Verletzt die GmbH Warenzeichen oder begeht sie andere Wettbewerbsverstöße, können Sie in Anspruch genommen werden, wenn Sie als Geschäftsführer selbst die Rechtsverletzung begangen haben. Dabei genügt bereits, dass Sie von dem Rechtsverstoß Kenntnis hatten und ihn nicht nach Kräften zu verhindern suchten.

6.4     Haftung aufgrund von Spezialvorschriften

Als GmbH-Geschäftsführer gelten für Sie eine Reihe von besonderen Haftungsvorschriften, so gegenüber Fiskus und Sozialversicherungsträgern.

6.4.1    Haftung gegenüber dem Fiskus

In der Abgabenordnung ist ausdrücklich geregelt, dass der Geschäftsführer als Organ der Gesellschaft deren steuerliche Pflichten erfüllen muss. Das Gesetz definiert Sie als eigenständigen Steuerpflichtigen. Der Grundsatz, dass Sie persönlich nicht für die GmbH haften, wird zugunsten des Staates ausdrücklich durchbrochen! Handeln Sie vorsätzlich oder grob fahrlässig, nimmt der Fiskus Sie in Anspruch, mit unbeschränktem Zugriff auf Ihr ganzes Vermögen.

Das Finanzamt kann den Geschäftsführer jedoch nur insoweit in Anspruch nehmen, wie die Gesellschaft finanziell in der Lage gewesen wäre, Steuerzahlungen zu leisten. Als Geschäftsführer müssen Sie alle Gläubiger gleichmäßig befriedigen; der Fiskus hat kein Recht auf eine bevorzugte Behandlung.

Hinweis

In Krisenzeiten erhalten erfahrungsgemäß Mitarbeiter und Hauptzulieferer am meisten, weil die Gesellschaft auf ihre Mitwirkung angewiesen ist. Aber auch Banken mit einem direkten Zugriff stehen gut da.

Für den Geschäftsführer ist die Versuchung daher groß, z.B. nur die Nettolöhne noch in voller Höhe auszuzahlen, die Lohnsteuer darauf aber nicht oder nur zum Teil zu entrichten. Achtung! Für die Lohnsteuer Ihrer Mitarbeiter haften Sie persönlich!

Häufig noch unterstützt von der Hausbank erhalten Hauptzulieferer ihr Geld, damit Kundenforderungen zur Zurückführung des Saldos realisiert werden können. Auch hier geraten Sie in die persönliche Haftung, wenn Sie der Bank nicht widersprechen!

Den Haftungsumfang ermittelt das Finanzamt anhand der Quote aus den zur Verfügung stehenden Mitteln und der Summe der Verbindlichkeiten. In Höhe dieser Quote können Sie für Steuerschulden der GmbH in Anspruch genommen werden. Bei Vermögenslosigkeit der Gesellschaft kann Ihre Quote null betragen.

Vorsicht: Sehr selten baut die GmbH ihre Verbindlichkeiten über Nacht auf. Ihre Haftung konkretisiert sich auch nicht erst im Zeitpunkt der Fälligkeit der Steuer, sondern schon bei deren Entstehen.

Hinweis

Erzielt die GmbH z.B. umsatzsteuerpflichtige Vermietungseinkünfte und treten Sie die Bruttomieten an die finanzierende Bank ab, haften Sie in vollem Umfang für den Umsatzsteuerausfall, auch wenn die Gesellschaft erst Jahre nach der Abtretung notleidend wird.

Erhöht das Finanzamt diese Festsetzungen nach einer Betriebsprüfung, gelten die Nachsteuern ebenfalls als bereits in den Vorjahren entstanden, auch wenn sie erst nachträglich fällig gestellt werden. Von Ihrer Haftung werden Sie auch nicht frei, wenn Dritte (z.B. die Ehefrau) der Gesellschaft finanzielle Mittel mit einer ausdrücklichen Zweckbindung zur Verfügung stellen, wie z.B. zur Zahlung von Löhnen. Auch diese Mittel müssen unter der Gesamtgläubigerschar aufgeteilt werden.

6.4.2    Haftung für Lohnsteuer-Schulden

An den Grad Ihrer Verantwortlichkeit werden je nach Steuerart unterschiedliche Anforderungen gestellt. Die höchsten bestehen bei der Lohnsteuer, weil Sie hier für die Mitarbeiter Gelder treuhänderisch einbehalten und abführen müssen.

Hinweis

Lohnsteuern sind deshalb vorrangig zu bezahlen!

Das bedeutet nicht, dass sie in voller Höhe vor allen anderen Steuerschulden zu befriedigen sind, sondern nur, dass Sie bei Deckungslücken die Nettolohnauszahlung so weit reduzieren müssen, dass die Lohnsteuer im gleichen Verhältnis wie die anderen Verbindlichkeiten bedient wird.

6.4.3    Haftung für Umsatzsteuer-Schulden

Auch bei der Umsatzsteuer handelt es sich für die GmbH um einen „durchlaufenden Posten“, der jedoch nicht vorrangig, sondern im Verhältnis zu den anderen Verbindlichkeiten zu tilgen ist. Das Finanzamt geht hier regelmäßig davon aus, dass 50 % der Umsatzsteuer gezahlt werden können. Wenn Sie als Geschäftsführer verpflichtet sind, die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu beantragen, dürfen Sie grundsätzlich keine Zahlung mehr leisten.

Bei einer persönlichen Inanspruchnahme können Sie grundsätzlich alle Einwendungen gegen Grund und Höhe der Steuerschuld geltend machen, die auch die GmbH hätte erheben können. Außerdem muss das Finanzamt erst versuchen, in das bewegliche Vermögen der Gesellschaft zu vollstrecken, jedoch nicht auch in das unbewegliche.

Für einen Haftungsbescheid muss der Fiskus darlegen, dass er sein Entschließungsermessen (ob der Geschäftsführer überhaupt in Anspruch genommen werden soll) wie auch sein Auswahlermessen (wurde bei mehreren Geschäftsführern mit bestimmten Zuständigkeitsbereichen der richtige ausgewählt?) ordnungsgemäß ausgeübt hat. Wenn das Finanzamt z.B. quotenmäßig aus dem Gesellschaftsvermögen hätte befriedigt werden können, die Forderung aber nicht zur Insolvenztabelle angemeldet hat, muss es ein Mitverschulden gegen sich gelten lassen.

Kommt es zur persönlichen Haftung, müssen Sie nicht nur für Steuern einstehen, sondern auch für Säumnis- und Verspätungszuschläge und Zinsen.

Hinweis

Die Zahlungen, die Sie als Geschäftsführer der GmbH aufgrund Ihrer persönlichen Inanspruchnahme zu leisten haben, können Sie allenfalls als – nachträgliche – Werbungskosten bei Ihren Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit geltend machen, da sie auf einer Pflichtverletzung aus dem Anstellungsvertrag beruhen. Die Zahlungen stellen weder nachträgliche Anschaffungskosten auf Ihre Beteiligung dar, wenn Sie Gesellschafter-Geschäftsführer sind, noch – nachträgliche – Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen.

Achtung!

Steht die Haftung auslösende Pflichtverletzung nicht in objektivem Zusammenhang mit Ihrer beruflichen Tätigkeit, z.B. im Fall einer bewussten Schädigung Ihres Arbeitgebers, dann stellen die Zahlungen an das Finanzamt nur nichtabzugsfähige Lebenshaltungskosten dar.

6.4.4    Haftung für andere Steuern

Beachten Sie bitte auch, dass die Lohnkirchensteuer, die Kapitalertragsteuer auf Ausschüttungen, der Steuerabzug bei beschränkt Steuerpflichtigen und die Umsatzsteuer nach dem alten Abzugsverfahren (für Betriebsprüfungen noch wichtig) und Steuern aufgrund der neu eingeführten Steuerschuldnerschaft des Auftraggebers in der Baubranche als treuhänderische Fremdgelder vorrangig befriedigt werden müssen.

6.4.5    Haftung gegenüber den Sozialversicherungsträgern

Der Geschäftsführer ist auch bezüglich der Sozialversicherung das ausführende Organ für die GmbH. Sie müssen die bei der GmbH beschäftigten Arbeitnehmer bei der Krankenversicherung und der Berufsgenossenschaft anmelden. Sie sind zur korrekten Berechnung, Einbehaltung und Abführung der Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung verpflichtet und zur Meldung der Bemessungsgrundlage für die Beiträge zur Berufsgenossenschaft. Aus Ihrer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber resultieren auch umfangreiche Pflichten zur Vermeidung von Unfällen am Arbeitsplatz. Werden diese verletzt, kann gegen Sie ein Bußgeld verhängt werden.

Hinweis

Wie bei den steuerlichen Pflichten können Sie sich auch hinsichtlich der Sozialversicherung nicht damit entschuldigen, dass Sie aufgrund einer mehrgliederigen Geschäftsleitung oder durch Delegation auf Mitarbeiter nicht zuständig sind. Gerade in Krisenzeiten verbleiben Überwachungspflichten bei Ihnen, die Sie zum Eingreifen verpflichten.

Verletzen Sie Ihre Pflichten, haften Sie nach der Rechtsprechung persönlich für nicht abgeführte Sozialversicherungsbeiträge der GmbH. Die Sozialversicherungsträger sind damit ähnlich privilegiert wie der Fiskus.

Hinweis

Empfehlung: Nach der Rechtsprechung können Sie nur in Höhe der nicht abgeführten Arbeitnehmeranteile in Regress genommen werden, nicht auch für die Arbeitgeberanteile. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, dass Sie im Zusammenhang mit Teilzahlungen ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese vorrangig auf die Arbeitnehmeranteile verrechnet werden sollen.

Nach der früheren Rechtsprechung mussten Sie für Sozialversicherungsbeiträge nur insoweit haften, als tatsächlich Löhne ausgezahlt wurden (Lohnzahltheorie). In einem Fall, wo die Kreditlinie für die GmbH noch Zahlungen zugelassen hätte, diese aber nicht erfolgten, hat das Bundessozialgericht allerdings entschieden, dass der Geschäftsführer dennoch haftet (Lohnpflichttheorie).

 

 

       

   

   

Ihr Steuerberater steht Ihnen gerne     für weitere Fragen zur Verfügung.

   

Rechtsstand: Juli 2008

   

Alle Informationen und Angaben in diesem     Mandanten-Merkblatt haben wir nach bestem Wissen zusammengestellt. Sie     erfolgen jedoch ohne Gewähr. Diese Information kann eine individuelle     Beratung im Einzelfall nicht ersetzen.

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

 

   

   

 

 

 

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